"Oh, Mania!" - Die Hölle im Himmel -
"Oh, Mania!"- Die Hölle im Himmel - 

Die Bipolare Störung              - Was ist das?

Allgemein

Die Bipolare Störung ist eine psychische Erkrankung bei der die Betroffenen in unterschiedlichster Weise an extremen Stimmungsschwankungen leiden: "himmelhochjauchzend - zu Tode betrübt".  Ursache für die schwankenden Stimmungsepisoden soll (laut dem Stand der Wissenschaft) ein chemisches Ungleichgewicht der Neurotransmitter im Gehirn sein. So viel hierzu in aller Kürze. Dies soll keine Abhandlung über das Krankheitsbild werden, sondern Ihnen einen schnellen Einblick verschaffen. Ohnehin können Sie in Fachbüchern - die sogar inzwischen für Laien herausgebracht wurden - besser und verlässlicher etwas über das Krankheitsbild in Erfahrung bringen. Auf dieser Seite können Sie aber aus erster Hand erfahren, wie sich die Stimmungsextreme anfühlen und wie sich die Krankheit auf den Alltag auswirkt.

 

Depressionen

Weil es das bekanntere Stimmungsextrem ist, fangen wir doch erst einmal mit der Depression an. Viele Menschen kennen das: Man fühlt sich antriebslos, man hat zu nichts Lust, kann sich zu kaum etwas aufraffen und wenn, dann kostet es einen jede Menge Überwindung. Aber da ist noch mehr: In schlimmeren Fällen, scheint jeder Blick in die Zukunft ausweglos und unerträglich zu sein. Man fühlt sich hoffnungslos und jeder Gedanke ist durchtränkt von Verzweiflung und Ratlosigkeit. Der eigene Wert wird nicht gesehen. Die Suizidgefahr ist nicht zu unterschätzen.

 

Manien

Auch die Manie, die Kehrseite der Depression, kann für die Betroffenen sehr gefährlich werden. Stellen Sie sich vor, sie hätten das Gefühl, in Ihrem Leben würde gerade alles bestens laufen. Da wäre überhaupt nichts, was Sie ändern würden. Sie haben das Gefühl, dass Ihnen alles gelingt und das egal, was sie in die Hand nehmen, zu Gold werden wird. Sie können alles erreichen und niemand kann Sie davon abhalten. Sie sind bereit deshalb sogar extreme Risiken einzugehen. Sie haben geniale Einfälle und sind kreativ wie noch nie zuvor. Auch haben Sie Energie wie Sie es so noch nie erlebt haben! Sie haben das Gefühl, dass Sie keinen Schlaf mehr brauchen. Legen Sie sich Abends ins Bett, weil Sie es so gewohnt sind, können Sie nicht einschlafen. Müdigkeit verspüren Sie nicht. Sie wissen, dass ihr Kopf in der Lage ist Hochleistungen zu erbringen, obwohl Sie schon seit Nächten kaum oder gar nicht geschlafen haben. Und jetzt kommen Verwandte oder sogar Außenstehende, vielleicht Ihr Hausarzt, auf Sie zu und sagen Ihnen, dass mit Ihnen etwas nicht stimmen soll. Ihnen geht es so gut, wie in Ihrem ganzem Leben noch nicht und Sie sollen krank sein?
    Das zu verstehen ist für einen Maniker unfassbar schwierig. Vielen, die von der Störung betroffen sind, fehlt daher die Krankheitseinsicht. Sie gehen daher oft erst dann zum Arzt, wenn sie bereits von der Manie in die Depression gestürzt sind. Dann fühlt es sich so an, als wäre einem diese besondere Fähigkeit, die den Verstand auf Hochleistung arbeiten lässt, weggenommen worden. Die Perspektive hat sich schlagartig geändert und all die Zuversicht und das sichere Gefühl ist auf einen Schlag weg. Die Abwärtsspirale kann je nach vorherigem Höhenflug lang sein. Nicht selten geraten die Betroffen dann von einer Depression auch schon wieder in die nächste Manie und der ganze Kreislauf beginnt von vorne (eine Achterbahnfahrt der Gefühle). Die Abstände können dabei sehr unterschiedlich sein. Bei manchen dauert es einige Wochen, bis eine Manie abklingt, bei Anderen wiederum nur wenige Tage.

 

Probleme im Alltag

Die Auswirkungen der Stimmungsextreme auf den Alltag können sehr einschneidend sein. So bleiben zum Beispiel in der Depression verschiedene Tätigkeiten im Haushalt über mehre Wochen liegen, wenn dem Betroffenem der Antrieb dazu fehlt. Oder die eigene Körperhygiene wird vernachlässigt. Beruflich kann eine Antriebslosigkeit, je nach Dauer der Depression, auch schwerwiegende Folgen haben, ja sogar bis zur Abmahnung oder Kündigung führen.
Manche Betroffenen sind in ihren depressiven Phasen auch sehr in sich gekehrt und ziehen sich aus dem sozialem Umfeld zurück. Das Bedürfnis mit anderen Menschen Kontakt zu haben ist dann kaum noch vorhanden. Auch dies kann erhebliche Auswirkungen auf den Alltag haben. Stellen Sie sich vor: In Ihrem Bekanntenkreis ist Jemand, der sich regelmäßig mit Ihnen verabredet, mit dem Sie gemeinsam ins Kino gehen oder im Café sitzen oder nach Feierabend ein Bier trinken gehen. Und plötzlich ist er wie ausgewechselt. Er ruft nicht mehr an, ruft nicht zurück, zeigt Wochen oder Monate lang kein Interesse. Dann aber geht es ihm wieder besser. Die Depression ist vorüber und er meldet sich bei Ihnen. Wie reagieren Sie - ohne dem Wissen um seine Erkrankung - ?
    Aber auch die manischen Stimmungsepisoden haben das Potenzial den Alltag der Betroffenen stark zu verändern. Viele Maniker sind sehr extrovertiert. Stellen Sie sich vor, in ihrem Bekanntenkreis ist ein ruhiger und stiller Typ, der selten das Wort ergreift und kaum über sich selbst spricht. Ein richtiger Langweiler. Doch heute begegnet er Ihnen ganz anders: Er strotzt nur so vor Lebendigkeit. Sein Redefluss ist kaum aufzuhalten und er unterhält alle Anwesenden. Bei alle dem versprüht er einen Charme und ein Charisma, welches Sie ihm so nie zugetraut hätten.

    Die Scham mancher Betroffenen über ihre Taten in der Manie kann sehr groß sein. So ist die Manie nicht selten mit Gradiositätsempfinden verbunden. Die Betroffenen haben das Gefühl sie seien besonders intelligent oder hätten außergewöhnliche Fähigkeiten.
Ein Betroffener kam eines Vormittags in die Anwaltskanzlei und erklärte seinen Arbeitskolleginnen, die sich wie er noch in der Berufsausbildung befanden, dass er sie jetzt unter Vertrag nehme und sie ihre Ausbildung bei ihm abschließen würden. Ein anderer Fall ist der einer jungen Frau, die glaubte, mit ihren Gedanken das Wetter beeinflussen zu können und vor ihrer Wohnung auf der Straße einen lautstarken Regentanz aufführte. Später erzählte sie, sie habe sich darüber so sehr geschämt, dass sie sogar umgezogen sei.
    Die Einschränkungen durch die Bipolare Störung im privaten, sowie im beruflichen Alltag können sogar so extrem sein, dass die Betroffenen erwerbsunfähig  und auf fremde Hilfe angewiesen sind, um im privaten Leben zurecht zu kommen.

    Aber wir wollen Ihnen auf dieser Seite keinen falschen Eindruck vermitteln. Die hier genannten Beispiele treffen nicht auf alle Menschen mit einer Bipolaren Störung zu. Viele, die von dieser Krankheit betroffen sind, können auch ein ganz geregeltes und normales, unauffälliges Leben führen. Vielleicht fällt die Erkrankung auch niemals auf und wird ein Leben lang nicht diagnostiziert. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Medikamente, die dabei helfen können die Symptome zu lindern.

 

 

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© Sven Thomas Neumann - "Oh, Mania!" - Die Hölle im Himmel - ist eine Produktion des Theater GegenStand e.V.

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